Der Autor

Guglielmo L. Brentel (64) ist Hotelier und seit Juni 2015 Präsident von «Zürich Tourismus», der grössten Tourismusregion den Schweiz. Zuvor war Brentel während 9 ½ Jahren Präsident von HotellerieSuisse und während drei Jahren Präsident der Holding der Ecole hôtelière de Lausanne (EHL). Brentel ist auch im Verwaltungsrat der Flughafen Zürich AG. Seit 1990 hat er im Rahmen seiner Firma H&G Hotel Gast AG verschiedene Führungs-, Beratungsund Verwaltungsratsmandate in der Hotellerie inne.

 

Vor dieser Zeit arbeitete Brentel in verschiedenen Positionen in Hotels in der Schweiz, in den USA und in Peru und spricht fünf Sprachen fliessend. Er besitzt einen Abschluss der Ecole Hôtelière de Lausanne und der Cornell University, USA.

Kolumne

WIR HOTLIERS SOLLTEN NUN VIELE DINGE NEU DENKEN

Nichts ist so, wie vor Corona. Und viele Dinge werden nach Corona anders sein. Zumindest für diejenigen Unternehmungen, die diese epochale Krise überleben. Die gegenwärtigen Diskussionen in Politik und Wirtschaft drehen sich fast ausschliesslich darum, wie wir durch diese Krise gehen – und viel zu wenig darum, wie wir nach der Pandemie wieder durchstarten. Auch darum hat «Zürich Tourismus» bereits im letzten Herbst ein «Whitepaper» publiziert, um, manchmal auch provokativ, verschiedene Thesen aufzustellen, damit die Diskussion nicht auf das Jetzt und Heute, sondern auf eine längerfristige Perspektive gerichtet wird. Und wichtig: das Ganze aus der Perspektive des Gastes!

Wir haben eine Pandemie, keine Systemkrise!

Oft hört man die Meinung, dass es nie wieder so sein werde wie vorher. Statt zu reisen, würden Gespräche nur noch digital und per Video geführt. Die Globalisierung und damit auch die Reisetätigkeit würden sich nicht mehr erholen. Da bin ich anderer Meinung, denn wir haben eine Covid-19- Krise und keine Systemkrise! Die Menschen wollen sich (wieder) treffen, sie wollen andere Kulturen und Länder kennenlernen. Jeder, der Videokonferenzen abhält, spürt sofort den grossen Unterschied zwischen digitalen und persönlichen Treffen. Es fehlen die Zwischentöne, man kann die Stimmung schlechter einschätzen, es wird weniger diskutiert, formell und vor allem informell. Geschäfte bauen auf Vertrauen auf – dieses digital zu gewinnen, ist schwieriger. Und eine Stadt, eine Region lernt man mit allen Sinnen kennen, haptisch, mit persönlichem Kontakt zu Menschen und durch olfaktorische Wahrnehmungen. Das macht das Reisen aus! Deshalb bin ich überzeugt, dass «analoge Erlebnisse» digital nicht zu ersetzen sind. Zusammen lachen, essen und trinken, flirten, wie soll das digital ersetzt werden?


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