WIE LOCKT MAN GÄSTE IN DIE KLEINE OSTERIA?

Die Osteria Bordei liegt abseits im Centovalli. Acht Zimmer, 35 Sitzplätzeim ­Restaurant. Ein typisches Tessiner Lokal, umgeben von schönster Natur.Was Touristen und Gäste nicht wissen: Die Osteria ist seit vielen Jahrenein ­Sanierungsfall. Mirco Held (39), Berater bei Gastroconsult, hat die Osteria ­analysiert und erklärt in einer dreiteiligen «Hotelier»-Serie, wie mandas «Mini-Hotel» im Tessin in eine gute Zukunft führen kann.



Hintergrund zur Osteria Bordei

Die Osteria Bordei existiert seit 

vielen Jahren. Ihre Grundmauern ­reichen zurück bis ins 17. Jahrhundert. Das Haus wurde im Rahmen der Wiederaufbau- und Sanierungs­arbeiten der Stiftung Terra Vecchia Villaggio vor vielen Jahren umfassend saniert, wobei die alte Gebäude­struktur erhalten blieb. Die Osteria liegt im kleinen Dörfchen Bordei 

im Centovalli, etwa 3 Kilometer von der Ortschaft Palagnedra entfernt. 

Der Betrieb bietet sechs Doppel- und zwei Einzelzimmer an. Die meisten ­Zimmer sind mit einem Lavabo ­ausgestattet. Duschen und Toiletten befinden sich auf der Etage. Der ­gastronomische Bereich der Osteria umfasst zwei stilvoll eingerichtete ­Innenräume (einer ist mit einem ­alten Kamin ausgestattet). Hinzu kommt die Terrasse. Die Osteria ­bietet ca. 30 Personen Platz. Der ­Betrieb verursacht als Saisonbetrieb (April bis Oktober) seit Jahren ein ­Defizit. Viele Bereiche des Lokals 

sind mangelhaft, Personal- und Warenkosten zu hoch. In der «Hotelier»-­Serie – einer Koproduktion mit Gastro­­­consult – geht es um die zentrale ­Frage: Wie führt man die kleine Osteria zum Erfolg? 

meili-unternehmungen.ch


Mirco Held, Anfang April 2021 (Ostern) soll die Osteria Bordei wieder geöffnet werden. Bis dahin sollte das von Ihnen vorgeschlagene Geschäftsmodell umgesetzt sein. Schaffen Sie das?

Die Zeit drängt. Hinzu kommt, dass Ostern dieses Jahr bereits zwei Wochen früher ist als in den letzten beiden Jahren. Es muss nun das Personal rekrutiert werden. Idealerweise wird zuerst der Geschäftsführer rekrutiert, damit dieser bei der weiteren Rekrutierung mithelfen und seine Mitarbeitenden auswählen kann. Denn es ist ja so, dass dieser dann die Leistung mit seinem Team erbringen muss. Daher macht es Sinn, dass dieser «Leader» seine Mitarbeiter selbst aussucht. Zudem wird der Geschäftsführer auch für weitere Vorbereitungsarbeiten dringendst benötigt. Es müssen Kontakte zu Produzenten hergestellt werden, ebenfalls sollte man sich langsam um das Marketing kümmern. Auch hier gilt es, ein gutes Netzwerk im Tal aufzubauen. Aber auch betriebsintern müssen viele Vorbereitungen getroffen werden.

 

Wie sieht das künftige Geschäftsmodell im Grundsatz konkret aus? Aufgrund der Tatsache, dass sich die Osteria in Bordei weit weg von den touristischen Ballungszentren befindet, gilt es, einen Kundennutzen zu schaffen, der so gross ist, dass die Gäste die rund 30-minütige Anreise in Kauf nehmen. Dies ist mit einem Restaurant nur schwer zu bewerkstelligen. Daher gilt es, über den Tellerrand hinauszuschauen und Synergien zu nutzen. Dazu bietet sich die Ortschaft Bordei ideal an. Die Ortschaft ist zwar wunderschön renoviert, aber kaum bewohnt. Die Idee ist, dass regionale Produzenten ihre Produkte präsentieren und ihr Handwerk interaktiv zur Schau stellen. Die Produkte dieser Produzenten werden dann in der Osteria zu authentischen Speisen verarbeitet und angeboten. Weiter können die Produkte direkt im «Osteria-Shop» gekauft werden. Zudem gibt es die acht Hotelzimmer. Auch hier gilt Ticino Appassionata – dabei sollen die Sehnsüchte nach dem Tessin, dem ruhigen Leben ohne Hektik und der Natur befriedigt werden.

 


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