Silvia Bezzola und Ernst Scherz (Gstaad Palace)

DIE LIEBESGESCHICHTE EINES HOTELIER–PAARS

Liebesbriefe gibt es keine. Auch kaum Persönliches. Aber wer kann so viele Jahre so eng zusammenarbeiten, ohne sich zu lieben? Sie lernten sich bei der Arbeit kennen, in Flims, im elterlichen Hotel von Silvia Bezzola. Edle Hotels blieben ihre Welt, das «Palace Gstaad» wurde zum Gemeinschaftswerk. Ernst und Silvia Scherz übernahmen das Grandhotel auf dem Tiefpunkt der Weltwirtschaftskrise, kämpften sich durch die schwierigen Jahre des Zweiten Weltkriegs, erneuerten das Haus mit knappsten Ressourcen, belebten es mit waghalsigenIdeen. Sie waren vollendete Gastgeber; ihre Liebesgeschichte ist dieErfolgsgeschichte des «Palace». Und nebenbei erzogen sie vierKinder, auch das erfolgreich.Die Buchautorin Franziska Schläpfer hat die Liebes- und Lebensgeschichte von Silvia Bezzola und Ernst Scherz recherchiert. «Hotelier» publiziert Auszüge aus dem Kapitel über die Palace-Gastgeber.


«Ich komme mit!» Silvia Clara Bezzola ist verliebt und eine Trennung von ihrem Verlobten undenkbar. «Beinahe unerträglich», findet auch Ernst Scherz, der für die Wintersaison im Hotel Kulm in St. Moritz verpflichtet ist. 

 

Jetzt, im Sommer 1935, sind beide noch in Flims. Die 28-jährige Silvia leitet den Hausdienst im Parkhotel Waldhaus, das ihre Eltern seit fast drei Jahrzehnten führen. Ernst, zwei Jahre jünger, ist der neue Chef de Réception. Der Bankierssohn hat seinen Berufswunsch durchgesetzt, sich in renommierten Häusern die Sporen verdient, zuletzt im Shepheard’s Hotel, Kairo. Das «Waldhaus» erscheint ihm «wie ein kleines Königreich»: gegen 400 Betten in drei Gebäuden, prächtiger Park, dunkle Tannenwälder, blauer See. Hier ist Silvia geboren und aufgewachsen, zusammen mit dem älteren Bruder Roman. Der Vater, Eduard Bezzola, Spross einer alteingesessenen Engadiner Familie aus Zernez, erfolgreicher Hotelier, engagiert sich leidenschaftlich für die romanische Sprache. Die Mutter, Clara Bezzola-Wiedemar, entstammt einer Berner Industriellenfamilie. Sie teilt mit ihrer Tochter das künstlerische Talent. Silvia wollte selbständig, berufstätig sein und lernte das Handwerk der Kunstweberin. In Zürich führte sie zusammen mit einer Freundin ein Atelier für Kunstgewerbe. Später, als Hotelière, wird sie jahrelang die Hausweberei Saanen präsidieren. Im Herbst 1935 verlobt sich das Paar. Eine Heirat ohne angemessene Verlobungszeit, «an die man sich nicht zuletzt aus Respekt und Rücksicht auf die zukünftigen Schwiegereltern hielt, war damals unstatthaft», schreibt Ernst Scherz in seinen Erinnerungen.


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