SV Group & Pandemie:Wie steht es um die Gemeinschafts-Gastronomie?

Die Personalrestaurants und «Kantinen» der SV Group leiden besonders unter der Tatsache, dass aktuell in der Schweiz wieder eine Homeoffice-Pflicht gilt. Fazit: Vor allem das Mittagsgeschäft ist zum Teil eingebrochen oder kämpft mit sinkenden Umsatzzahlen, doch es gibt laut Aussagen der SV Group Unterschiede in den einzelnen Segmenten. Fragen von «Hotelier» an die Verantwortlichen der SV Group:



Wie geht es der Business Unit Gemeinschaftsgastronomie Schweiz?

Die Lage zeigt sich je Segment unterschiedlich.


In Industriebetrieben, an Universitäten, Hoch- und Berufsschulen läuft es derzeit zu unserer Zufriedenheit. Im Bereich Verpflegung für Kindertagestätten sind wir sogar sehr erfreut. Wir konnten in den letzten Monaten zahlreiche neue Kunden gewinnen.


In Mitarbeitenden-Restaurants von Unternehmen im Dienstleistungssektor sind die Frequenzen derzeit aufgrund der Homeoffice-Pflicht sehr tief. Wir begegnen dieser negativen Entwicklung mit einem angepassten Angebot, reduzierten Öffnungszeiten und Kurzarbeit. Rund 20% der Betriebe sind derzeit sogar geschlossen. Die Homeoffice-Pflicht dauert voraussichtlich noch bis Ende Februar. Deshalb gehen wir davon aus, dass ab März schrittweise wieder alle Restaurants geöffnet werden und wir unser Angebot wieder ausweiten werden.

Insgesamt sind wir derzeit vorsichtig optimistisch und rechnen ab dem zweiten Quartal mit einer Erholung. An der Geschwindigkeit, mit der das Geschäft bei Lockerungen jeweils wieder zurückkommt, erkennen wir ganz klar ein hohes Bedürfnis der Menschen nach Begegnungen und Austausch. Gäste sagen uns oft, dass sie sich freuen, über Mittag wieder mit Kolleginnen und Kollegen essen und sich austauschen zu können. Im Homeoffice kommt dieser informelle Austausch zu kurz. Deshalb sind wir davon überzeugt, dass die Frequenzen schnell wieder zurückkehren, sobald sich die Lage verbessert.



Wie beurteilen Sie die Marktentwicklung?

Die Pandemie hat Trends verstärkt, die wir seit längerem beobachtet hatten. Dazu gehören Homeoffice in Unternehmen im Dienstleistungssektor, der Wunsch vieler Gäste nach gesunder, pflanzenbasierter Küche und zeitunabhängige Verpflegungsmöglichkeiten.

Hybrides Arbeiten hat sich definitiv etabliert. Viele Unternehmen führen neue, flexible Arbeitsformen ein. Unsere Strategie ist klar auf die neue Arbeitswelt gerichtet, wir haben unser Angebot flexibilisiert. Vom klassischen Mitarbeitenden-Restaurant in Selbstbedienung, über den Selbstbedienungs-Kühlschrank und Office Delivery bis zur Kaffee-Lounge mit Co-working-Möglichkeiten bieten wir unseren Kunden ein umfassendes Angebot, mit dem sie sich auch im Arbeitsmarkt profilieren können.


Unser Credo: Wir bringen das Mitarbeiterrestaurant dorthin, wo man es braucht. Wir haben 2020 gleich zu Beginn der Corona-Pandemie blitzschnell gehandelt. Wenn die Leute nicht mehr zu uns kommen können, dann gehen wir halt zu ihnen! Das mobile Restaurant mit Lieferung ins Büro und ins Homeoffice haben wir in der Krise über Nacht lanciert. Wir haben in den letzten zwei Jahren gelernt, uns blitzschnell auf die sich plötzlich ändernden Situationen einzustellen.


Dass bei Lockerungen die Nachfrage in unseren Betrieben steigt, diejenige nach Delivery sinkt, gehört teilweise sicher zum New Normal. Aber es ist zu früh, um zu sagen, wie dieses langfristig genau aussehen wird. Wir gehen im Dienstleistungssektor davon aus, dass sich Homeoffice bei rund zwei Tagen pro Woche einpendeln wird. Über alle Segmente gesehen gleicht sich dieser Rückgang mittelfristig aus, weil die Nachfrage im Segment Schulen und Kindertagesstätten durch das Bevölkerungswachstum steigen wird.



Was machen Sie im Bereich Digitalisierung?

Während der Corona-Krise ging ein gewaltiger Digitalisierungsschub durch alle Lebensbereiche. Viele zwischenmenschliche Prozesse wurden zugunsten einer kontaktlosen Interaktion in den digitalen Raum verschoben. Unsere Kunden und Gäste haben neue Online-Erfahrungen gesammelt und haben gesteigerte Erwartungen an die digital Guest Journey. Für das Delivery Angebot haben wir daher eine einladende und intuitive Online-Bestellplattformen geschaffen, den smarten Kühlschrank öffnen Gäste mittels App und das Bezahlen mit Cash an der Kasse ist fast vollkommen verschwunden. In einigen Restaurants erfolgen Bestellungen auch nicht mehr am Tisch oder an der Theke, sondern kontaktlos am Bestellbildschirm.

Wir arbeiten laufend an der Verbesserung der Guest Experience, on- und offline. Gäste sollen ihre Bestellungen einfach und sicher digital abwickeln können und auf Wunsch weitere Informationen zum Angebot, zu den Preisen, zur Herkunft der Produkte und zu den Inhaltsstoffen einsehen können.


Zudem setzen wir auf die Digitalisierung unserer Kernprozesse. Diese Projekte haben wir auch während der Pandemie priorisiert und vorangetrieben. Vom Rezept über die Bestellung, Warenbewirtschaftung bis zur Kasse wird künftig alles verbunden sein. Das bringt eine enorme Effizienzsteigerung mit sich. Dadurch wird Zeit frei, die unsere Mitarbeitenden in den Gästekontakt investieren können. Denn trotz fortschreitender Digitalisierung ist und bleibt die Gastronomie ein «People Business», das von der Mensch-zu-Mensch-Beziehung lebt. Für uns stehen letztlich immer Gastgebertum und Genuss im Vordergrund.


Quelle: SV Group

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