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Schöne neue Welt

Eines ist unbestritten, wir leben in spannenden Zeiten. Besucht man die aktuellen Branchenevents, so ist die überwiegende Stimmung Optimismus und Euphorie. So gut sich das anfühlt, die aktuellen Indikatoren weisen eher auf einen schwierigen Herbst und Winter, die vor uns liegen. Doch das Gute soll nicht vergessen gehen: Resort Hotels boomen weiter. Jahrelang fristete die Ferienhotellerie ein Schattendasein und stiess weder bei Investoren noch bei Betreibern auf grosses Interesse. Jetzt bewundert man die «Resilienz» des Sektors und feiert im Stillen Rekordergebnisse in Destinationen mit hoher Kaufkraft im Binnenmarkt. Dank Revenue Management sind die Preise so hoch, wie noch nie. Nur leise hört man mahnende Stimmen, die daran erinnern, dass die Erwartungen der Gäste nicht kleiner werden.

Am Horizont erscheinen die ersten Vorboten, die auf ein Ende der Sommerparty hindeuten. Die vier Reiter der Apokalypse kommen in Gestalt von Mitarbeitermangel, Inflation, Rezession und Versorgungsengpässen bedrohlich schnell auf uns zu. Gehen wir einen Moment davon aus, dass es diesmal nicht die Hilfsprogramme der Regierung sind, die uns retten, sondern besinnen wir uns auf unsere Fähigkeiten als Unternehmer. Was ist zu tun?

Die Antwort fällt unterschiedlich aus, da die Vielfalt zu den faszinierendsten Eigenschaften unserer Branche gehört. Ein paar Realitäten gelten jedoch für alle:

  1. (intelligente) Digitalisierung ist zwingend. Es gibt schlicht nicht mehr genug Mitarbeitende, um die Prozesse der Vergangenheit in ihrer Form zu erhalten. Alles, bei dem die persönliche Interaktion keinen Mehrwert für den Gast bietet, ist konsequent zu hinterfragen. Warum «intelligent» hierbei von Bedeutung ist, versteht jeder, der schon einmal eine Speisekarte mittels QR Code auf seinem Smartphone aufgerufen hat, und dann trotzdem für «Bestellung» und «Bezahlung» warten musste, bis ein humanbedienter Bestellblock oder Kreditkartenterminal an seinen Tisch kam.

  2. Kooperation ist imperativ. Die meisten Betriebe sind zu klein, um sich für alle Bereiche Spezialisten zu leisten. Hier hilft die Kooperation mit anderen, um im Verbund Leistungen effizienter zu nutzen. Bevor man aber alles in Kooperation weiterführt, lohnt auch hier ein kurzes Innehalten und die Frage: Brauchen wir diesen Prozess auch in Zukunft?

  3. Neue Organisationsstrukturen: Die klassische Organisation eines Betriebes in «Silos», wie Housekeeping, F&B, Rooms Division, etc. ist eine grosse Herausforderung – gerade für kleine Betriebe. Neue, flexible Modelle finden immer grösseren Anklang. Ein auf den Prinzipien von «Functional Service» aufgebautes Modell schafft zudem nicht nur eine höhere Produktivität, erste Untersuchungen zeigen auch, dass durch die spannende Abwechslung die Zufriedenheit bei den Mitarbeitenden steigt.

  4. Forecast basierte Planung – die Zeit, die auf den Forecast und die abgeleitete Ressourcenplanung für Mitarbeiter und Wareneinsatz verwendet wird, sollte die Zeit, welche für eine akribische Analyse der Abschlüsse verwendet wird, deutlich übersteigen. Nach dem Motto: «We cannot change the past, but we can influence the future.”

Und last – not least: Wir lernen! Auf allen Stufen der Hierarchie, täglich. Die Rahmenbedingungen ändern sich schneller, als je zuvor. Die Bereitschaft zu lernen und die Freude, neuen Herausforderungen zu begegnen, ist die heute vermutlich wichtigste Fähigkeit. Hiervon ist vom Tellerwäscher bis zum Verwaltungsrat niemand ausgenommen.


Wilhelm K. Weber ist Gründer von Swiss Hospitality Solutions und einer der -profiliertesten Speaker der Branche. Wilko hatte schon viele Rollen inne – im Moment konzentriert er sich auf seine -Aufgaben als Verwaltungsratspräsident bei Swiss Hospitality -Collection, als Fachvorstand für Revenue Management bei der HSMA Deutschland und natürlich auf seinen -Einsatz als Moderator des Swiss Innovation Day.

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