Geld verdienen mit Fitness im Hotel

Der Fitnessboom in der Schweiz und weltweit ist weiterhin ungebrochen. Jährlich werden von den über 200 000 Fitnesscentern mit über 174 Millionen Mitgliedern total 87 Milliarden Schweizer Franken umgesetzt – Trend steigend. Fitness in der Hotellerie – ein lukrativer Markt?




Auch der Schweizer Fitnessmarkt hat sich in den letzten Jahren markant verändert. Die Migros betreibt in der Schweiz bereits über 100 Fitnesscenter und nun mischt seit ein paar Jahren auch noch Coop mit.


Durch die diversen Discount-Anbieter wie zum ­Beispiel «Basefit» hat der Markt nochmals eine ­zu­­sätzliche Dynamik erhalten. Die demografische Entwicklung führt dazu, dass vermehrt auch eine ältere, zahlungskräftige Zielgruppe den Fitness­centern beitritt. ™





60plus-Gäste werden immer wichtiger


Der 60plus-Markt wird deshalb immer wichtiger und bietet ein grosses Potenzial. Die enorme Kostenentwicklung im Schweizer Gesundheitswesen unterstützt daher zusätzliche, präventive Angebote wie Fitness. Dies haben die Krankenkassen be­­reits früh erkannt und übernehmen deshalb zum Teil bis zu 50 Prozent der Kosten von Fitnessabonnementen. Welche Chancen bietet diese Entwicklung für die Hotellerie? Was braucht es für künftige Angebo­te und Dienstleistungen im Hotelfitness?


Fitness in Hotels: Viele Hoteliers beachten diesen Bereich kaum


Wenn man die heutige Schweizer Hotellerie anschaut, existiert bereits ein grosses Fitnessangebot – und zum Teil sind auch erfolgreiche Produkte auf dem Markt. Es gibt jedoch leider immer noch viele Hoteliers, die den Fitnessbereich stiefmütterlich betreiben. Würden diese Hoteliers das Restaurant gleich betreiben, würde es heissen: «Lieber Gast, der Kühlschrank ist vor­ne rechts. Links am Fenster ist der Kochherd, die Pfannen befinden sich gleich unter dem Herd. Die Kochanleitung ist auf dem Tisch neben dem Herd … ich wünsche Ihnen viel Glück beim Kochen und einen guten Appetit». In so einem Hotel würde man sehr schnell seine Gäste verlieren, aber viele Fitnessangebote werden leider genau so betrieben!


Was sind die aktuellen Trends im Fitnessbereich?


Weniger Hardware, mehr Software. Auch im Bereich Fitness gilt diese Devise. Die Dienstleistungen und Angebote werden immer wichtiger und der ganze Gerätepark verliert etwas an Bedeutung. Immer wichtiger für die Mitglieder sind die sozialen Kontakte.


Das Training ist auf der einen Seite höchst individuell und auf der anderen Seite maximal sozial geworden.



«In- und Outdoor-Gruppentrainings sind zum ­absoluten Trend geworden. Das gemeinsame ­professionelle ­Training im Freien ist hoch ­motivierend und entspricht einer grossen ­Nachfrage»

Dominik Keller, ­Fitnessexperte

1. Gruppentraining In- und Outdoor

In- und Outdoor-Gruppentrainings sind zum absoluten Trend geworden. Das ge­­meinsame professionelle Training im Freien ist hoch motivierend und entspricht ei­ner grossen Nachfrage. Wer begibt sich schon gerne bei schönem Wetter ausschliesslich in ein Fitnesscenter, wenn er draussen noch ein umfangreiches, zusätzliches «Functional Training» bekommt! Der Community-Faktor wächst und wächst und wird immer wichtiger.


2. Fitness-Trend: TRX und Co – die Geräte werden noch spezieller und individueller


Das TRX Training ist beim Functional Training so etwas wie Redbull unter den Energie-Drinks. Dieses Fitness-Gerät aus den USA ist die mit Abstand prominenteste Vertreterin der Kategorie Schlingentrainer. Das Trainingsgerät kann an einem Ast oder Türrahmen als Ankerpunkt ein vollwertiges und intensives Ganzkörper-Workout ermöglichen. Durch die grosse Variation der Übungen und den grossen Spassfaktor, vor allem in der Gruppe, ist die­ses Trainingsgerät im Fitnesscenter nicht mehr wegzudenken.


3. Medical-Fitness-Trend


Die Kompetenz des Medical Fitness liegt in der individuellen Trainingsberatung und in der persönlichen Trainingsanpassung für die Trainierenden. Eine individuelle Einführung und Trainingsberatung schaffen eine ideale Basis für das anschliessen- ­­de Training. Mit den heutigen Test-Möglichkeiten wie z. B. DNA-Analysen kann indi­viduell und ganzheitlich beraten werden. Mit den auf den Genen basierenden Trainings- und Ernährungsplänen können in kürzester Zeit grosse Verbesserungen beim Wohlbefinden und bei der Leistungsfähigkeit erreicht werden.


Der Bereich Gesundheit ist ein Megatrend und die Hotellerie wird mit gezielten Medical-Wellness- und Fitnessangeboten stark davon profitieren können – vor allem jetzt und nach der eigentlichen Pandemie. Diese Angebote wirken sich auch positiv auf die Übernachtungsdauer aus, in dem man z. B. Wochenpackages anbieten kann.





4. Lifestyle Center und Boutique-Fitness


Das Konzept: modernes Design, innovative Trainingsbereiche und (u. a.) eine gross­zügig angelegte Fläche für funktionell ausgerichtete Trainingsmethoden. Mit hochklassig ausgebildeten Personaltrainer:innen und einer einzigartigen Atmosphäre hat sich dieses Konzept in den USA etabliert und bald wird es auch bei uns einige An­­bieter geben. Die grösstenteils auf kleineren Flächen gestalteten Fitnesscenter überzeugen durch die originellen Konzep­te und Liebe zum Detail.


5. Fitness-Trend: EMS-Training wird kleiner und praktischer


War die Ausrüstung früher noch unhandlich und schwer wie die Einsatz-Bekleidung, kombiniert mit einem unhandli-chen stationären Gerät, ist heute ein EMS-Training auf kleinster Fläche möglich. Und zwar nicht mit dem Bauch-Weg-Gürtel, sondern tatsächlich mit Ganzkörper-An­­zügen.


6. Kooperation heisst das neue Zauberwort


Nicht jeder Hotelier muss sich einen eigenen Fitnesspalast bauen! Kooperationen sind die Zukunft. In Bad Zurzach haben wir zum Beispiel für vier Hotels ein gemeinsames, grosszügiges Fitnessangebot. Dadurch können in der Woche bis zu 30 verschiedene Lektionen und eine permanente Betreuung durch mehrere professionelle Fitnesstrainer angeboten werden. Diese Dienstleistun­-gen werden von den Hotelgästen wie auch von den externen Clubmitgliedern inten­siv genutzt. Den eigenen Hotel-Fitness-Bereich für exter­ne Mitglieder zu öffnen hat viele ­Vorteile. Auf der einen Seite belebt und ­frequentiert dies das Fitnesscenter, auf der anderen Seite kann man damit die Be­­triebskosten decken. Diese Kooperationsmöglichkeiten bieten sich mit etwas Kreativität fast immer und überall an. 



«Es gibt leider immer noch viele Hoteliers, die den Fitnessbereich stiefmütterlich betreiben.»

Dominik Keller, ­Fitnessexperte



 


5 Fragen an den Personal-Trainer

Jürgen Albrecht (56) ist Diplomtrainer und Personaltrainer im medizinischen Zentrum des Grand Resorts Bad Ragaz. Er ist u. a. Volleyball-Profitrainer und Gründer und Inhaber der Albrecht Coaching AG. Hier seine Tipps für Hoteliers und Spa-Betreiber in Sachen Fitness-Infrastruktur:


1. Was zeichnet den perfekten Fitnessbereich in einem Hotel aus?

a. Funktionelle Ausstattung

b. Inspirierende Atmosphäre mit viel Raum und mehreren Trainingsräumen

c. Motivierende, gut ausgebildete Trainer.


2. Welche Fitnessgeräte dürfen in einem Hotel-Spa unter keinen Umständen fehlen?

Kinesis-Station, funktionelle Trainingsstationen, Freihanteln und Kettlebells. Dazu kommen verschiedene Cardio-Geräte.


3. Warum macht ein Personal Trainer in einem Hotel-Spa Sinn?

Der Erfahrungsaustausch im Personal-Training ergibt den bestmöglichen Output für den Gast. Trainings können zielgerichtet auf den Grundlagen der Erfahrungen und den ­Zielen des Gastes umgesetzt werden.


4. Auf was legen Ihre «Fitnessgäste» im Grand Resort Bad Ragaz besonders Wert?

a. Kompetenz der Trainer:innen

b. Individualität der Trainingsprogramme

c. Auf den Gast abgestimmte Personal-Trainings.


5. Wie lauten die wichtigsten Fitnesstrends 2021/22?

Es sind Yoga und gehirnbasiertes, funktionelles Training.


 



Der Autor

Dominik Keller ist Geschäftsführer der Thermalbad Zurzach AG. Er kann auf jahrelange Erfahrung in der ­Beratung von Fitness-, Bäder- und Wellness-Projekten im In- und Ausland zurückblicken. So war er auch beim «Ovavera» in St. Moritz und beim Bürgenstock-Spa in ­beratender Funktion tätig.

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