Fast alles spricht für Winterferien in den Schweizer Bergen

Mitten in der Pandemie sind viele Hotels in den Schweizer Alpen aufgeblüht. Das grosse Winterhotel-Rating des Hotelexperten Karl Wild





Nach zwei Jahren Unterbruch steht The Chedi Andermatt wieder an der Spitze der besten Schweizer Winterhotels mit fünf Sternen. Der Name Chedi wirkt wie ein Magnet auf Geniesser, Lebenskünstler und Hotelfreaks aus aller Welt. Samih Sawiris, dieser schlaue Fuchs, wusste das. Als langjähriger Stammgast im Chedi Muscat in Oman war für ihn von Beginn weg klar, dass das Zugpferd seines touristischen Milliardenprojekts im Urserental nur ein Chedi sein konnte. Und die Rechnung ging hundertprozentig auf. Acht Jahre nach der Eröffnung ist The Chedi der spektakulärste und erfolgreichste Überflieger in der jüngeren Geschichte der alpinen Luxushotellerie. Die Plätze zwei und drei hinter dem Chedi belegen mit dem St. Moritzer Kulm und dem Gstaad Palace zwei weitere Weltklassehotels.


Nummer eins bei den besten Hotels mit vier Sternen ist neu das Pirmin Zurbriggen. Was Fabian und Esther Zurbriggen im Hotel mit dem berühmten Namen leisten, ist schon fast genial. Die Perle voller Überraschungen im Walliser Flecken Saas-Almagell ist so gut wie immer ausgebucht. Nur logisch, dass jetzt ein benachbartes Hotel dazugekauft wurde. Hinter dem zweitplatzierten Guarda Val in Lenzerheide-Sporz, das wichtige personelle Rochaden zu verkraften hatte, liegt einer der grossen Aufsteiger: Das Hotel Walther in Pontresina machte innert drei Jahren 14 Plätze gut! Mitte Oktober, einen Tag vor Ende der Sommersaison, war das Schlösschen noch zu sage und schreibe 91 Prozent belegt. In der Kategorie mit den besten 3-Stern-Hotels liegt das Spitzhorn in Saanen-Gstaad unangefochten vorn, gefolgt von der Chesa Randolina in Sils Baselgia und dem Jungfrau auf der Wengernalp.


Unter den zwölf Neuen, die den Sprung ins Rating geschafft haben, finden sich interessante Namen. Allen voran das Kempinski Palace in Engelberg, seit Jahrzehnten das erste 5-Stern-Hotel im Ort. Der für 100 Millionen Franken toll in Schuss gebrachte Palast hat alles, um Engelberg den dringend benötigten Schub und neue (Schweizer) Gäste zu bringen. Fünf Monate nach der Eröffnung schaffte es das Kempinski bei den Luxushotels bereits auf Rang 16. Ein aussergewöhnlich spannendes Projekt ist auch das neue Bergwelt Grindelwald. Das schmucke Resort ist ein Riesengewinn für den Ort und erreichte in seiner Kategorie aus dem Stand Platz fünf. Ein weiteres höchst attraktives Hotel, das noch nicht getestet werden konnte, feiert im Dezember Wiedereröffnung: Das historische Parkhotel Margna in Sils Baselgia wurde von einer Privatperson für 26 Mililionen Franken wunderschön renoviert und dürfte die Rangliste bald gehörig durcheinanderwirbeln.


Einheimische Gäste haben die Ferienhotellerie in den Bergen (wie auch im Tessin) im vergangenen Sommer mehr als nur gerettet. Von den im Rating aufgeführten Hotels blickt über die Hälfte gar auf einen Rekordsommer zurück. Die übrigen arbeiteten, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, gut bis sehr gut. Im Unterschied zur Stadthotellerie, die trotz schüchterner Erholung noch immer arg leidet, steht die Crème de la Crème der Schweizer Winterhotels wohl vor einer erfreulichen Saison. Martin Nydegger hat durchaus recht, wenn er von einem Vertrauensvorsprung der Schweiz spricht. «Letzten Winter haben unsere Schutzkonzepte in den Skigebieten funktioniert», weiss der Direktor von Schweiz Tourismus. «Alle andern Länder müssen das erst beweisen.»