Familie Wiesner Gastronomie legt alle Löhne offen

Die Schweizer Familie Wiesner Gastronomie (FWG) setzt auf volle Transparenz und ermöglicht den Mitarbeitenden Einblicke in die Lohntüten aller Kollegen und Kolleginnen – und in die der Chefs. Die breite Öffentlichkeit kann sich über die Lohnschere des Unternehmens informieren. Damit leistet die Wiesner Gastronomie einen Beitrag zur Entspannung auf dem Fachkräftemarkt.


Über die Homepage der Familie Wiesner Gastronomie (FWG) können Mitarbeitende nun jedes Gehalt anfragen. Externe Interessierte können dank Lohnrechner die Lohnbänder einsehen. Informationen geben die Vorgesetzten oder die Webseite fwg.ch/lohnanfrage. So möchte FWG vollständige Lohntransparenz schaffen und gleichzeitig Spekulationen über Löhne unterbinden – über die Unternehmensgrenzen hinaus: Ein eigens programmierter Lohnrechner auf der Unternehmens-Webseite steht auchallen weiteren Interessierten offen. So möchten die Wiesners unter anderem auf Jobsuchende zugehen.


Niedrige Lohnschere im Vergleich

Eine Lohnschere beschreibt das Verhältnis zwischen dem höchsten und dem tiefsten Gehalt eines Unternehmens. Sie lautet aktuell bei Familie Wiesner Gastronomie 1:5,4. Heißt: Die beiden Inhaber Manuel und Daniel Wiesner verdienen 5,4-mal mehr als die Beschäftigten mit dem niedrigsten Lohn. In diesem Fall Küchenhilfen-Angestellte. FWG zieht den schweizweiten Vergleich: Die Höchstverdiener der 37 größten Schweizer Konzerne verdienten 2020 durchschnittlich 137-mal so viel wie die jeweiligen Mitarbeitenden mit den niedrigsten Löhnen, wird die jährliche Studie der Unia zitiert.


Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern

Das Familienunternehmen hat die internen Löhne analysieren lassen, um die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau zu überprüfen. Sie wurde durch den unabhängigen Wirtschaftsprüfer TreuVision AG bestätigt. Die Familie Wiesner Gastronomie arbeitet eigenen Angaben zufolge schon länger mit Lohnbändern und betont, dass die Lohngleichheit zwischen Frau und Mann gewährleistet ist.


Manuel Wiesner, Co-Lead Strategy & Innovation und Inhaber der Familie Wiesner Gastronomie, ist überzeugt vom Konzept der Lohntransparenz: «Ich bin mir sicher, in Zukunft führt kein Weg an Lohntransparenz vorbei. In Stellenanzeigen werden zukünftig geschätzte Löhne durch Google for jobs und andere Anbieter aufgeführt werden. Wir machen bereits jetzt den Schritt in die Zukunft und legen die Löhne offen. Hard Facts anstatt Schätzungen und Spekulationen


Vorteile der Lohntransparenz

«Lohntransparenz bietet mehrere Vorteile. Sie sorgt zum Beispiel für Lohngleichheit, zufriedenere Mitarbeitende und ist positiv fürs Arbeitsklima. Sie hilft bei der Vorbereitung für Vorstellungs- und Mitarbeitendengespräche. Denn jeder weiß, woran er ist und kennt sein Lohnband. Nicht nur bei der Jobsuche ist es legitim, über den Lohn Bescheid wissen zu wollen. Sondern auch Mitarbeitende sollen wissen, in welcher Lohnspanne sie sich bewegen und wie diese Zahlen zustande gekommen sind. Für mich ist diese Transparenz eine Form der Wertschätzung an unsere Mitarbeitenden. Es soll auch ein Anstoß sein, das Tabu Lohn in unserer Gesellschaft zu brechen, wie es bereits im Ausland teilweise üblich ist», so Wiesner.


Im Gespräch mit der NZZ bezeichnet Jörg Buckmann, Personalexperte und Buchautor, die Offensive der FWG als mutig und selbstbewusst. Immer stärker zum Thema würde die Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, und die jüngere Generation spreche ohnehin «viel unverkrampfter über das Thema Geld.»


Da auf Bewertungsplattformen wie kununu zudem zahlreiche Gehaltsdaten gesammelt würden, hätten laut Buckmann Unternehmen künftig keine andere Wahl als transparant zu sein. Wer die Thematik offensiv angehe, behalte schließlich auch die Kontrolle. In der Schweiz gebe es bereits eine Auswahl an Arbeitgebern, die ihre Löhne offenlegen.


In Skandinavien ist die Entwicklung am weitesten vorangeschritten. So sind in Norwegen alle Gehälter im Internet einsehbar, in Finnland soll es ab kommendem Jahr transparant zugehen.


Miss Miu

Die Familie Wiesner Gastronomie AG (FWG) ist seit Anfang der 90er-Jahre auf dem Schweizer Markt tätig. Die FWG erzielt 2021 einen Umsatz von 79 Mio. Franken und gehört zu den 20 größten Gastronomieunternehmen der Schweiz. Mit über 970 Mitarbeitenden aus rund 70 Ländern betreibt die FWG 34 Betriebe – verteilt auf die Städte und die Agglomerationen Zürich, Bern, Basel, Zug, Luzern und Winterthur. Das Portfolio des Familienunternehmens besteht aus Nooch Asian Kitchen (12 Standorte), Negishi Sushi Bar (10 Standorte), The Butcher (8 Standorte), Miss Miu (2 Standorte), The Butcher & his Daughter, Outback Lodge, und Gypsy Rose (je 1 Standort), Poke Nation, The Dumpling Brothers und Angry Chicken (3 virtuelle Brands) sowie Kitchen Republic (mit Ghost Kitchens an 4 Standorten).

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