Dr. Christoph Nussbaumer über Post-Corona-Zukunftsszenarien

WO STEHT DIE HOTELLERIE NACH DER CORONA–KRISE?

Hotellerie 4.0 ist ein neuartiges, ganzheitliches Geschäftsmodell. Im Zentrum stehen nicht mehr Produkt und Serviceleistungen. Bei Hotellerie 4.0 dreht sich alles umGäste und Mitarbeitende. Hans R. Amrein stellte Michael Thomann, der das Thema Hotellerie 4.0 in der Schweiz lanciert hat, 24 Fragen zum Thema.



DER AUTOR

Vor der Gründung der gleichnamigen Unternehmensberatung im Jahr 2000 leitete Dr. Christoph Nussbaumer als Mitglied der Konzernleitung der Winkhaus Unternehmensgruppe in Deutschland den Bereich Business Development und als Geschäftsführer die Reorganisation eines weltweit tätigen Unternehmensbereiches mit Produktionsstätten in Asien. Zuvor arbeitete Nussbaumer als Senior Consultant bei der Beratungsgesellschaft der IKB Deutsche Industriebank AG, Düsseldorf. Insgesamt hat Dr. Nussbaumer zehn Jahre Industrie- und 25 Jahre Beratungserfahrung, 17 Jahre davon als geschäftsführender Gesellschafter. Nussbaumer ist Vortragsredner und Dozent für strategisches Hotel-Management.

Wir können auf Basis unseres heutigen Wissens (Stand März 2021) mögliche Zukunftsszenarien entwickeln und überlegen, welche Auswirkungen diese Szenarien auf unsere beiden Fokusthemen Preis und Auslastung haben werden. Als Denkrahmen nutze ich die beiden generischen Optionen pessimistisch und optimistisch. Die Realität wird wahrscheinlich irgendwo dazwischen stattfinden. Szenarien skizzieren Möglichkeitsräume, wie sie sein könnten. Sie nehmen die Zukunft nicht vorweg, sondern dienen der Orientierung und helfen, über Möglichkeiten nachzudenken. Wir dürfen niemals vergessen, dass wir unsere Zukunft selbst kreieren. Wir haben es in der Hand Strategien zu entwickeln, die für mögliche Zukunftsszenarien optimiert sind. Wir werden nun die beiden Szenarien kurz beschreiben und die daraus resultierenden Erkenntnisse auf unsere Fokusthemen Preis und Auslastung behandeln.

Zukunftsszenario 1: Pessimistisch

Der Lockdown ist zur Normalität geworden. Die Sicherheit steht an erster Stelle. Für Aus- und Einreisen brauchen wir Genehmigungen oder umständliche Visumverfahren. Der Staat setzt alle Mittel ein, die Bürgerinnen und Bürger betreffend Pandemie zu schützen. Zu Hause kochen und essen wird zur alltagsstrukturierenden Norm. Versammlungen von mehr als 100 Personen sind verboten. Das kulturelle Leben ist komplett zum Erliegen gekommen. Die eigenen vier Wände erhalten einen neuen Stellenwert. Die Sorge vor einer erneuten Pandemie macht jede noch so kleine lokale Verbreitung eines Virus zum Auslöser drastischer Massnahmen – von Grenzschliessungen bis zu regionalen Isolationen. Gegenseitige Schuldzuweisungen, aggressive Drohungen, Populismus und nervöse Reaktionen wechseln mit Versuchen zu Transparenz und Kooperation. Der Staat kommt an seine Grenzen, die Probleme zu lösen, den Betrieben zu helfen. Die Geduld der Bevölkerung nimmt ab, die gesellschaftliche Spaltung weiter zu. Hotelbetriebe und Restaurants bleiben mit wenigen Ausnahmen geschlossen, Insolvenzen nehmen stark zu, Betriebe geben auf. Die Arbeitslosigkeit steigt. Andere Hotelbetriebe setzen auf die Zeit nach Corona und investieren, um ihre Wettbewerbsvorteile auszubauen und bereit zu sein, wenn die Pandemie vorüber ist. Eine leichte Erholung mit weiteren Rückschlägen wird erst ab 2022 einsetzen. Erst 2023 oder 2024 kann wieder mit einer Rückkehr zu einem Leben wie vor Corona gerechnet werden, wenn nicht neue Virusvarianten auftauchen und eine erneute Pandemieschleife startet.


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