ZU GAST

Gleich zwei Auszeichnungen hat das Pop-up-Hotel The Lovelace in München erhalten. Der Art Directors Club für Deutschland e. V. (ADC) prämierte das experimentelle Kultur- und Hotelprojekt in den Kategorien «Design Disziplin» und «Kommunikation im Raum».

 

Bilder: Steve Herud / The Lovelace


Die massiven Eichenböden der ehemaligen Büros korrespondieren mit der Wohnlichkeit der umlaufenden Vorhangstoffe von Kvadrat und moderner Designmöbel von Bolia und Vitra. Handgemachte Naturbetten von Coco-Mat und ein Soundsystem von Sonos runden die Zimmeratmosphäre ab.

 


DAS PROJEKT

Ursprünglich war in den Räumen der Bayerischen Staatsbank in München, wo sich bis vor zweieinhalb Jahren die Führungskräfte der Hypo-Vereinsbank und der Mutterfirma Unicredit zu Meetings trafen, ein Luxushotel mit 150 Betten geplant. Die Einsprache des danebenliegenden Luxushotels Bayerischer Hof verunmöglichte das Projekt jedoch. Die jetzige Besitzerin, die Hypo-Vereinsbank, geht davon aus, dass bis Ende 2018 klar sein soll, wie es mit dem Gebäude weitergehen wird.

 

thelovelace.com


Ein Ort, der mehr ist als ein Hotel und Menschen Raum bietet für Begegnungen: Mit dieser Vision kreierte eine Gruppe von Münchner Veranstaltern und Club­betreibern «ein Experiment». Die Partner Cambis Sharegh, Michi Kern, Gregor Wöltje, Lissie Kieser und Alexander Lutz schufen zusammen mit Consultant Alexan­der Strub, tätig bei der international tätigen Beratungsgruppe RBS, auf 4800 Quadratmetern für etwa eine Million Euro das Projekt «The Lovelace». Die gesichtslosen ehemaligen Vorstands­büros der Bayerischen Staatsbank wurden zu 30 geräumigen und komfortablen Hotelzimmern und Suiten unterschiedlicher Zimmerkategorien. Ziel dabei war es, den ursprünglichen Charakter des Gebäudes zu bewahren.

 

Das Hotelzimmer als Bühne

Seit Herbst 2017 bis voraussichtlich 2019 hat das Pop-up-Hotel als spannendes Zwischennutzungsprojekt seine Türen geöffnet. Neben den Hotelzimmern bietet das Hotel Platz für sowohl Kunst-, Musik-, Literatur- und Diskussionsveranstaltungen als auch für Läden, Café, Restaurant, Club, Bar und Studios. «Mit ‹The Lovelace› haben wir ein Hotel-Happening mit aussergewöhnlicher Atmosphäre geschaffen, das es so bislang noch nicht gab. Dazu tragen auch das Design und das Story­telling der Hotelzimmer bei», sagt Gregor Wöltje, geschäftsführender Gesellschafter von «The Lovelace». Inszeniert sind die Zimmer beispielsweise durch einen 360°-Vorhang, der die Räumlichkeiten als Bühne einrahmt und eine hohe Aufenthaltsqualität bietet. Stauräume wie Regale und Garderoben sind dahinter verborgen, Kunst und Stadtausblicke hingegen werden gut in Szene gesetzt. Showrooms, ein Veranstaltungsraum, eine Rooftop-Bar, Pop-up-Shops, wo beispielsweise die Einrichtungsgegenstände der Hotelzimmer erworben werden können, und eine bewirtete Flying Lobby gehören zum Gesamtkonzept. «Die Besonderheit bei ‹The Lovelace› ist der Gedanke, dass dieser Ort in der Form, wie wir ihn geschaffen haben, nicht für immer existieren wird. Unsere Aufgabe war es daher, die Identität des Kunden und die Bedürfnisse der Besucher mit den bestehenden Strukturen zu vereinen. Auf Basis der kuratierten Inhalte wie Kunst, Literatur und Musik entstand die Idee, die Zimmer sehr szenografisch zu betrachten und zur Bühne werden zu lassen. Eine Bühne, auf der die Gäste gleichsam Betrachter und Akteure sind», erklärt Alexander Strub von RBS Group.