GRÖSSERE BRÖTCHEN BACKEN

Thomas Christens Leidenschaft für das Bäckerhandwerk und für die Hotellerie wurde früh entfacht. Als kleiner Junge durfte der heutige Bäcker-Konditor und Unternehmer jeweils für seinen Vater, Hotel­schreiner auf dem Bürgenstock, in der Backstube des Hotel Palace das Znünibrot holen. Ab und zu gab es auch ein Weggli für Klein-Thomas.

 

Text: Bernadette Bissig 


Thomas Christen Inhaber «Christen Beck», Hotel& Restaurant «Zum Beck»

 


DAS HOTEL

Das Hotel Zum Beck in Stansstad bietet elf thematisch gestaltete Zimmer inklusive reichaltigem Frühstück direkt aus der Christen-Hausbäckerei. Das gleichnamige und angegliederte Restaurant serviert auf das Bäckerhandwerk ausgerichtete Speisen.

 

hotel-zum-beck.ch


Schon während seiner Bäckerlehre in Stansstad träumte der künftige Berufsmann davon, dereinst selber eine Bäckerei zu führen – und zwar genau die Bäckerei seines Lehrmeisters. Es ist nicht beim Traum geblieben. Doch dafür musste ­Thomas Christen sich ein wenig gedulden. Nach seinen Lehr- und Wanderjahren, die ihn unter anderem nach Gstaad, Virginia, Hongkong, Singapur und Davos führten, erhielt er sein erstes Angebot: die Pfauenbäckerei in Stans. Er schlug ein, und so nahm alles seinen Anfang. 2010 ging auch sein Wunsch aus der Lehrzeit in Erfüllung: Er konnte die Bäckerei seines Lehrmeisters übernehmen. Heute machen fünf Bäckereien, drei davon mit integriertem Café, ein Restaurant und ein Hotel das Unternehmen von Thomas Christen aus. Er habe Expansion nie um der Expansion willen angestrebt, sagt der 53-Jährige. Seine Betriebe, die in den Kantonen Nid- und Obwalden angesiedelt sind, wurden an ihn herangetragen. So auch das Hotel & Restaurant Hermann, das er seit 2015 unter dem Namen Hotel & Restaurant Zum Beck führt. Dieses befindet sich im gleichen Haus wie sein Betrieb in Stansstad. Als der Besitzer einen neuen Betreiber suchte, war Thomas Christen sofort zur Stelle. Für den Bäcker-Konditormeister, der eine grosse Leidenschaft für die Gastronomie hegt, die er bereits in den in die Bäckereien integrierten Cafés ausleben konnte, war die Hotellerie jedoch noch Neuland. So machte er sich auf die Suche nach passionierten Mitarbeitenden.

 

In Jacqueline Hafner hat er die perfekte Direktorin gefunden. Die diplomierte Hotelière-Restauratrice HF führt nun mit einem Team das Hotel & Restaurant Zum Beck. Seit Anfang 2017 spiegelt sich der Name des Hotels nicht mehr nur in der Gastronomie, sondern auch in der Gestaltung der Hotelzimmer. Dank ­Christens Partnerin Denise Wyss ist das Bäckerhandwerk auch in den elf Themenzimmern Programm. Jedes Zimmer verfügt über einen Namen statt einer Nummer. So können die Gäste zwischen Chriesi-, Schoggi-, Zimt & Zucker- und Bäcker-Zimmer wählen.

 

Wem ob so viel Duft und Aromen das Wasser im Mund zusammenläuft, der ist im Restaurant Zum Beck gut aufgehoben. Auf der Karte findet der Gast viele Gerichte im Bäckerstil. Zudem verwöhnt Küchenchef André Keller die Gäste mit einem saisongerechten Sechsgangmenü mit Weinbegleitung. Neu ist auch ein komplettes Schoggimenü im Angebot. 

 

Die Kunden müssen einen triftigen Grund haben

Thomas Christen verwendet in seiner Backstube nur das absolute Minimum an Backhilfsmitteln und Zusatzstoffen. Stattdessen lässt er die Teige lange ruhen und verwendet Vorteig und die eigens angesetzten Sauerteige. «Als unabhängige Bäckerei ist es entscheidend, sich abzuheben, damit man sich gegenüber grösseren Produzenten und Lebensmittelgeschäften durchsetzen kann», sagt der Unternehmer. «Die Kunden müssen einen triftigen Grund haben, bei uns einzukaufen.» Um den Kunden einen solchen Grund zu geben, scheut er keinen Aufwand: Alle vier Wochen kreiert er zusammen mit seinem Team ein neues Monatsbrot und ein wechselndes Angebot an Süssigkeiten und Snacks. Und er entwickelt immer wieder Eigenkreationen wie etwa das Huisbrot mit langer Triebführung. Diese Hausspezialität ist ein Ruchbrot in rustikaler Form, das vor dem Backen rund zwei Stunden gekühlt wird. Dadurch wird das Brot schön knusprig. Stolz ist Thomas Christen auch auf seine Zigerkrapfen, eine regionale Spezialität. «Das Rezept habe ich aus verschiedenen Rezepten kreiert», sagt der Bäcker-Konditormeister stolz. «Natürlich ist es streng geheim», meint er mit einem Schmunzeln. Er legt Wert darauf, das traditionelle Handwerk zu pflegen, liebt es aber auch, neue Kreationen und Rezepte auszutüfteln und zu experimentieren. Damit dieses Handwerk weiterlebt, setzt er auch auf Ausbildung: In seinen Betrieben betreut er zehn Lernende.