FEINSTOFFLICH

Textilien sind meist nur als dekoratives Element im Einsatz. Dies jedoch zu Unrecht. Denn mit der optimalen Materiali­sierung können eigen­ständige Räume geschaffen werden. Die Finnin Liina Blom entwickelt mit ihrem Designstudio Into unkonventionelle Textilien.

 

Text: Bernadette Bissig 



ZUR PERSON

Liina Blom absolvierte von 1997 bis 2001 die Academy of Art and Design in Kuopio und schloss mit einem BA Textile ab. Von 2002 bis 2006 erlangte sie an der Helsinki School of Economics einen MA in Marketing. Seither ist sie als Designerin tätig. 2005 gründete sie ihr eigenes Studio, wo sie mit ihrem Team Textilien für den öffentlichen Bereich entwirft.

 

intocdc.com


nto, der Name des Designstudios, steht im Finnischen für enthusiastisch. Der Begriff beschreibt sehr gut, wie die Inhaberin Liina Blom und ihr Team arbeiten. «Illlk» ist die jüngste Kollektion von Into, und sie steht für pures, experimentelles und nachhaltiges Design. Wer diese Kollektion betrachtet, wird an Skulpturen gemahnt. Denn die Stoffe der Finnin verfügen über eine grosse Plastizität. Da ist etwa ein Textil, das aus gefaltetem Leder gefertigt ist, ein Vorhangstoff aus Metallfäden oder ein gestricktes Objekt. Die «Illlk»-Kollektion vereint innovative und brandhemmende Materialien sowie experimentelles und funktionales Design. Daraus entstehen exklusive Produkte für öffentliche Räume wie etwa die Hotellerie.

 

Ein unbegrenztes Feld an Möglichkeiten

Die Palette umfasst Vorhangstoffe, Polsterstoffe, Tapeten, Teppiche und spezielle 3D-Oberflächen. «Die Kollektion ‹Illlk› widerspiegelt unser Engagement, den Einsatz von Textilien auszureizen sowie neue Materialkombinationen und innovative Techniken zu erforschen», erläutert Liina Blom, die sich selber als Creative Manager und Oberflächen-Designerin bezeichnet. «Oberflächen zu kreieren verbindet Mathematik, den Rhythmus von Mustern, Materialien und Texturen. Textilien sind ein unbegrenztes Feld an Möglichkeiten, um neue Lösungen zu erforschen und zu entwickeln.» Das Designstudio begleitet die Textilien von der ersten Idee bis zum Endprodukt. Oder dem Kreativprozess ist gar bereits eine Marktforschung vorangegangen, damit sich das neue Produkt von den am Markt bereits vorhandenen Textilien abheben wird.

 

«Unsere Arbeitsweise ist sehr experimentell, und wir spielen mit Materialien und Techniken. Die Vorgehensweise und der zeitliche Aufwand unterscheiden sich von Projekt zu Projekt.» Technisch höchst komplexe Kreationen bedingen oft jahrelange Forschungsarbeit, bei enger gesteckten Aufträgen kann eine Idee im Lauf einiger Wochen entstehen. Die Entwicklung neuer Textilien ist auch dank eingespielter Strukturen in kurzen Zeitfenstern möglich: gute und flexible Produktionspartner und geprüfte Materialien, die für den Einsatz in öffentlichen Räumen geeignet sind.

 

Recycling-Material und interaktive Textilien

Liina Blom und ihr Team setzen in ihrer Arbeit auf Kundenorientierung. Die Zusammenarbeit mit Auftraggebern, Architekten und Interior Designern hat oberste Prirität. Denn öffentliche Räume stellen höhere Anforderungen an Textilien, sei dies nun technischer oder visueller Natur. Gerade diese Herausforderung liebt die Designerin: Lösungen zu finden, die eine kreative Umsetzung sowie einen neuen technischen Approach in sich vereinen. So setzt sie seit geraumer Zeit auch auf Recycling-Material, da sie überzeugt ist, dass Sekundärrohstoffe und eine nachhaltige Produktion der einzige zukunftsweisende Weg sind. «Obwohl die Nachfrage in Bezug auf solche Materialien stetig wächst, war es sehr schwierig, Partner zu finden, die bereit waren, in diese Art von Textilien zu investieren», sagt Liina Blom.

 

Ein weiteres innovatives Produkt, das Into entwickelt hat, ist eine interaktive Textilie, die auf Bewegung und Berührungen mit Sound reagiert. «Eine Kombination aus Kunst und ‹Gebrauchsgegenstand›. In Zukunft wird man öffentliche Räume mit interaktiven Textilien ausstatten können und ohne sichtbare Technik unterschiedlichste Effekte erzielen.» Dies entspricht ganz Liina Bloms Verständnis, Trendforschung als weiterführende Zukunftsforschung zu betreiben. Doch bis interaktive Textilien zu einer Selbstverständlichkeit geworden sind, dauert es noch ein Weilchen. Vorerst entwickeln die Designerin und ihr Team eine Applikation, um das Leben betagter Menschen zu erleichtern.