Christopher Cox konnte eine erneute Zunahme der Buchungen verzeichnen.

Christopher Cox, Preferred-Hotels-Manager

«Liebe Hoteliers, bitte kein Preisdumping!»

Preferred Hotels & Resorts ist die weltweit grösste unabhängige Hotelmarke, die mehr als 750 Hotels und Resorts in über 85 Ländern vertritt. In der Schweiz sind derzeit 19 Hotels Mitglied der Marketinggesellschaft. «Hotelier» sprach mit Christopher Cox, Regional Director Central & Eastern Europe, über die Folgen der Corona-Krise.



«Es wird in jedem Fall eine globale Marktbereinigung geben, sowohl bei Hotelentwicklern als auch bei Hotelbetreibern.»

Christopher Cox


Christopher Cox, wie haben Sie als Verantwortlicher für die Region Zentral- und Osteuropa bei Preferred Hotels reagiert, als Mitte März aufgrund der Corona-Krise fast alle Hotels in Europa schliessen mussten?

Nun, es war uns zunächst wichtig, keine überhasteten, voreiligen Entscheidungen zu treffen. Wir standen stets in Kontakt mit unseren Hotels, und wir hatten unser Team weltweit so auf- und umgestellt, dass wir unsere Hotels während der Krise unterstützen konnten – mit Kommunikation durch unsere Chefin Lindsey Ueberroth und unseren Präsidenten Michelle Woodley sowie durch regelmässig stattfindende Webinars durch unser globales Verkaufsteam und andere Experten des Unternehmens.

 

Wie hoch sind die bisherigen Verluste (Zeitraum März bis Mai) bei den Mitgliedern der Preferred Hotels?

Da über die Hälfte unserer 750 Hotels weltweit für gut zwei Monate komplett geschlossen waren und die anderen Hotels minimale Belegungen hatten, sind die Verluste für unsere Mitgliederhotels natürlich sehr gross. Somit verzeichnen auch wir aufgrund fehlender Nachfrage markante Verluste. Die meisten Hotels sind jetzt wieder offen, deshalb nehmen die Buchungen langsam wieder Fahrt auf.

 

Was bieten Sie Ihren Mitgliedern in solchen Krisenzeiten an?

Seit Beginn der Krise im März hat unser globales Team unermüdlich daran gearbeitet, dass unsere Hoteliers Zugang zu verschiedenen Tools und Schulungen erhalten. Wir haben ein Ressourcenzen­trum eingerichtet, das die aktuelle Unternehmenskommunikation zu Covid-19, aber auch zu relevanten Marktinformationen enthält. Hinzu kommen Webinars für alle Mitgliederhotels, die wichtige Einblicke in die Entwicklungen und Prognosen für alle Marktsegmente (Corporate Business, ­Leisure Travel und Mice) geben.

 

Gibt es Hotels – auch in der Schweiz –, die jetzt aufgrund der Krise auf ihre Mitgliedschaft verzichten?

Wir sind sehr glücklich, dass die Hotels die Partnerschaft mit Preferred Hotels & Resorts schätzen, und es freut uns, dass einige unserer Hotels in den letzten Wochen sogar ihre Verträge für mehrere Jahre verlängert haben. In der Schweiz konnten wir mit dem Deltapark Vitalresort (Thun) im März ein weiteres Mitglied begrüssen. Somit umfasst unser Portfolio in der Schweiz nun 19 Hotels. Weltweit konnten wir im ersten Quartal dieses Jahres 26 neue Hotels aufnehmen.


Das Hotel Le Richemond in Genf ist Mitglied bei Preferred Hotels & Resorts.


WAS STECKT HINTER DEN PREFERRED HOTELS?

Preferred Hotels & Resorts ist die weltweit grösste unabhängige Hotelmarke, die mehr als 750 Hotels, Resorts, Residenzen und Hotelgruppen in über 85 Ländern vertritt. In der Schweiz sind derzeit 19 Hotels Mitglied bei «Preferred», so zum Beispiel «The Alpina», Gstaad, das Grand Hotel Zermatterhof, das Hotel Alex (Zermatt) und das «Le Richemond» in Genf.


Stadthotels, zum Beispiel in Zürich oder Basel, sind von der Krise besonders betroffen. Der Businesstourismus und das Mice-Geschäft sind weitgehend eingebrochen. Wie sehen Sie die nächsten sechs bis acht Monate in der Stadthotellerie?

Wir sehen es ähnlich, wobei sich die jeweiligen Segmente unterschiedlich entwickeln werden, natürlich auch abhängig von den weltweiten Grenzöffnungen und der Möglichkeit, wieder international zu reisen. Das Luxury-Leisure-Segment wird sich als Erstes wieder erholen, da die Menschen wieder reisen wollen und viel Wert auf das entsprechende Hotel und das Angebot hinsichtlich Service, Platz, Hygiene und Sicherheit legen.

 

Und der Corporate-Bereich?

Hier rechne ich mit einem Rückgang, denn das Reiseverhalten wird sich hier ändern. Man hat während der Krise festgestellt, dass viele Meetings und Gespräche virtuell stattfinden können. Trotzdem wird es weiterhin Meetings und berufliche Verhandlungen geben, die eines persönlichen Kontakts bedürfen. Firmen werden aber verstärkt den Grund der Reise hinterfragen und nur Reisen zulassen, die absolut notwendig sind. Und noch etwas: Viele Businessleute werden künftig Business und Leisure verbinden.

 

Gewisse Experten und Branchenverbände rechnen damit, dass etwa 20 bis 25 Prozent der Hotels in der Schweiz die Krise nicht überleben und in die Insolvenz gehen werden.

In jedem Fall ist von einer globalen Marktbereinigung auszugehen, sowohl bei Hotelentwicklern als auch bei Hotelbetreibern. Hotels, die knapp kalkuliert haben und kaum Reserven haben, werden die Krise nur schwerlich überleben.

 

Haben Sie so etwas wie ein Rezept für Hotels in der Krise? 

Ein Geheimrezept, dem alle Hotels in dieser beispiellosen globalen Krise folgen können, gibt es nicht. Diese Krise ist anders als jede andere Herausforderung, der sich die Hotellerie je stellen musste. Wichtig scheint mir, dass die Hotels nicht dem Preisdumping verfallen, um Nachfrage zu generieren.

 

Warum sollte ein Hotel jetzt nach der eigentlichen Krise Ihrem «Verein» beitreten?

Weil viele Hotels gerade jetzt die Unterstützung eines starken Vertriebspartners brauchen, der ihnen ein internationales Netzwerk mit Vertriebsstärke in den Bereichen Distribution, Marketing, Loyalty und Branding und ihnen somit einen klaren Wettbewerbsvorteil bietet.

 

Worin unterscheidet sich die Marke/Vereinigung Preferred Hotels von The Leading Hotels of the World oder Relais & Châteaux?

Mit 750 Hotels weltweit in fünf unterschiedlichen Kollektionen stellt Preferred Hotels & Resorts die grösste Vereinigung unabhängiger Hotels dar und bietet Besitzern und Betreibern von individuellen Hotels durch die Mitgliedschaft die Unterstützung und Möglichkeiten, ihre eigene Geschichte zu präsentieren, ihre Position zu verbessern und ihren Marktanteil und Umsatz zu steigern, während sie gleichzeitig die eigene Identität bewahren, die sie in ihrem Haus erarbeitet haben.