Die Hotelier-Familie Maeder
auf der Treppe des historischen «Ruedihus».

René F. Maeder, Hotelier im Waldhotel Doldenhorn Kandersteg

«Ich bin stolz, einen Sohn und Nachfolger zu haben»

Aus einem ehemaligen Ferienheim haben er und seine Frau in den letzten 44 Jahren eines der besten und individuellsten Vier-Sterne-Superior-Ferienhotels im Kanton Bern gemacht. Später kam einer der schönsten historischen Landgasthöfe der Schweiz hinzu. René F. Maeder (66) ist nicht nur ein Top-Hotelier, sondern auch ein leidenschaftlicher Koch und Gastgeber. Ein Vorbild für die ganze Branche. Warum ist er so erfolgreich?

INTERVIEW Hans R. Amrein

PORTRÄTS Andrea Abegglen



Wer ist René F. Maeder?

René Francois Maeder wurde am 12. Juli 1954 in Kandersteg im Berner Oberland geboren. Nach den Schulen absolvierte er eine Kochlehre im Hotel Glockenhof in Zürich. Anschliessend besuchte er die Hotelfachschule Lausanne (EHL). Es folgte das Unternehmerseminar (SHV) und diverse Praktika in der Schweiz und im Ausland (u. a. Basel, Kandersteg, Mannheim, Luzern). 1976 kaufte er für 550 000 Franken das damalige Ferienheim Doldenhorn. 1990 kam das alte «Ruedihus» dazu.

 

René F. Maeder engagierte sich in den letzten Jahren in diversen Branchen- und Berufsverbänden sowie in der lokalen Politik. So war er u. a. Präsident der Schweizer Gilde etablierter Gastronomen, Mitglied der Präsidentenkonferenz von Gastrosuisse, Vorstand im Verkehrsverein Kandersteg, Präsident der Qualitätssicherungskommission der Chefköche, Prüfungsexperte

zur Erlangung des Fähigkeitsausweises, Sektionspräsident des Hoteliervereins. 21 Jahre lang war er Gemeinderat und Gemeinderatspräsident sowie Gemeindepräsident (bis 2010) von Kandersteg. Seit 2011 ist René F. Maeder Laienrichter am Kreisgericht Bern.

 

Seine Hobbys: Reisen, Curling, Ski und Gewächshaus.

 

René F. Maeders Gattin Anne Maeder wurde 1955 in Mannheim Deutschland) geboren. Sie ist gelernte Krankenschwester und absolvierte Kurse an der Hotelfachschule Luzern (SHL). Sie war u. a. Vorstandsmitglied im lokalen Hotelierverein und war bei Gastro-Femme tätig. Zudem war sie Prüfungsexpertin bei den Lehrabschlussprüfungen der Hotelfach-Assistentinnen.

 

René und Annes Sohn Patric Emanuel wurde 1989 geboren. Er absolvierte die Hotelfachschule Lausanne (EHL) und absolvierte diverse Praktika.


René Maeder, die Massnahmen gegen Corona (Lockdown) haben Tourismus und Hotellerie weltweit in die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg gestürzt. Was sind die Folgen auf Ihre beiden Hotelbetriebe?

Vieles im Hotel wird sich verändern, die Digitalisierung nimmt zu, Betriebsabläufe werden neu definiert, vieles wird vielleicht nicht mehr so perfekt sein.

 

Trendforscher sagen: Unser Leben wird sich verändern …

… ja, vielleicht. Es gibt nicht nur Konsum, Ego und Hektik. Die Krise hat uns vor Augen geführt, dass es noch andere Werte gibt.

 

Die meisten Hotels hatten im Frühjahr finanzielle Probleme (Stichwort Liquidität).

Auch wir haben Geld verloren. Bei uns entstanden ungedeckte Kosten in der Grössenordnung von 100 000 Franken pro Monat – trotz Kurzarbeit und rigorosen Sparmassnahmen.

 

Konnten Sie diesen Verlust jetzt wieder einspielen?

Nein, das ist kurzfristig nicht möglich. Wissen Sie, was wichtig ist?

 

Nein, sagen Sie es mir.

Schon als junger Mensch habe ich gelernt, dass man etwas auf die Seite legt, so dass man in schwierigen Zeiten oder Krisen gewisse Reserven hat. Jetzt ist die Krise da!

 

Wer hat Ihnen diese Weisheit mit auf den Weg gegeben?

Mein Vater. Er sagte immer: Wenn mitten in der Wintersaison die Heizung aussteigt, brauchst du sofort 50 000 oder 60 000 Franken. Woher nehme ich das Geld? Deshalb braucht es so etwas wie eine «Kriegskasse».

 

Viele Hoteliers investieren ihre Gewinne laufend in den Betrieb, was zur Folge hat, dass sie nicht über riesige Reserven verfügen. Das wirkt sich auf die Liquidität aus …

… wir, meine Frau und ich, investieren hier seit gut und gerne 43 Jahren. Ja, wir waren oft an der Liquiditätsgrenze, ich gebe das offen zu. Die Verlockung ist gross, dass man 5 Franken einnimmt und gleichzeitig 10 Franken ausgibt. Trotzdem stehe ich dazu: Es ist wichtig, dass man gewisse Reserven schafft.

 

Wie wird sich Ihr Haus in den nächsten Monaten bis 2021 entwickeln?

Unser grosses Glück im Sommer waren unsere Schweizer Gäste. Die Schweiz ist mit rund 70 Prozent der wichtigste Markt. Dank den Schweizern hatten wir im Juni, Juli und August eine sehr gute Auslastung.

Sie geben uns auch eine Perspektive für 2021.

 

Dann geht es Ihnen aktuell sehr gut – trotz Corona-Krise …

… Moment! Uns fehlen die grossen Anlässe. Hochzeiten, Firmen- und Familien-Events und das Catering-Geschäft. Was da in Zukunft geschieht, wissen wir nicht.

 

Sie leben auch vom Tagungs- und Seminargeschäft.

Als Ganzjahresbetrieb sind wir auf solche Anlässe und Events angewiesen. Nur dank MICE-Geschäft ist es möglich, das Hotel auch im November oder April zu betreiben. Die grosse Frage ist jetzt: Wann und in welcher Art kommt das MICE-Geschäft zurück?


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