Frage an Hotelier Christian Lienhard
(Hotel & Resort Hof Weissbad, Appenzell):

WAS HABEN SIE AUS DER KRISE GELERNT?

Er ist seit Jahren einer der erfolgreichsten und innovativsten Hoteliers der Schweiz.Wie erlebt Christian Lienhard, Gastgeber und Chef im Hotel & Resort Hof Weissbad(Appenzell) die aktuelle Covid-Krise? Wie läuft sein Wellness- und Freizeithotel in Zeitender Pandemie? Was hat «Lieni» aus der bisherigen Krise gelernt?



Was steckt hinter Hof Weissbad?

Noch in der Bauphase des damals geplanten Gesundheitsund Ferienhotels Hof Weissbad im Appenzellerland bekamen Damaris und Christian Lienhard-Züger den Zuschlag für die Direktion – inklusive Konzeptplanung und Preopening. Sie eröffneten das 4-Sterne-Haus Anfang September 1994 mit 76 Zimmern und 42 Mitarbeitenden. In der Zwischenzeit beschäftigen sie über 200 Mitarbeitende und verzeichnen einen Jahresumsatz von 20,5 Millionen Franken. Die Auslastung der 87 Zimmer in Hof Weissbad liegt in normalen Zeiten bei 92 Prozent. Drei wesentliche Faktoren haben zu diesem Erfolg beigetragen. Erstens: verschiedene Segmente unter einem Dach: Gesundheits-, Seminar-, Individual- und Wellnessgäste sowie Klinikpatienten. Laut Christian Lienhard ist es eine Kunst, all diese Segmente in einer guten Mischung über das ganze Jahr verteilt zu beherbergen. Zweitens: eine breit abgestützte Finanzierung. Mit 4000 Aktionären verfügt das Hotel Hof Weissbad über eine solide Grund-Finanzierung. Drittens: eine teamorientierte Mitarbeiter-Politik. Motto: «Leadership by Love». Was Lienhard vor über 30 Jahren bei Hans C. Leu im Giardino Ascona lernte, gilt heute noch: «Natürliche Autorität und Vorleben! Das wohl grösste Kapital sind unsere einheimischen und langjährigen Mitarbeitenden. Das zahlt sich aus», so Lienhard. Sein Credo: «Gastgeber sein ist eine Herzensangelegenheit.»

Wie präsentiert sich die Lage im Hotel Hof Weissbad Mitte März 2021? Und wie war die Nachfrage im Februar?

Die Lage präsentiert sich zum grossen Glück sehr gut. Der Februar war dank der Winterferienzeit und dem schönen Wetter ein Spitzenmonat. Der März liegt im Moment leicht dahinter. Wir haben mit der neuen Lodge ein Segment geschaffen, das bestens passt: 25 Zimmer, etwas günstiger als die Zimmer im Stammhaus – und trotzdem hat der Gast die Möglichkeit, nebenan im Hof Weissbad zu essen, zu baden und andere Attraktionen zu geniessen.

 

Sie profitieren von der Tatsache, dass Sie seit vielen Jahren auf den Schweizer Markt setzen. Fazit: hohe Auslastung auch während der Krise. Weitere Erfolgsfaktoren?

Die Erfolgsfaktoren sind seit 27 Jahren immer noch die gleichen – trotz Corona-Krise. Kurz: Wir setzen auf verschiedene Gästesegmente unter einem Dach. Im Moment verlieren wir Nachfrage im Seminarbereich, dafür haben wir mehr Gäste im Wellness-Bereich.

 

Wie präsentiert sich derzeit die Gästestruktur? Junge, Familien, Rentner, Singles? Und woher kommen die aktuellen Gäste?

Wir haben aufgrund der Covid-Krise ein komplett anderes Publikum bekommen! Sehr viele Gäste, die jetzt im Hof Weissbad absteigen, waren noch nie da. Und viele Gäste sind in der Alterskategorie 40 bis 50, alle aus der Schweiz. Es ist eigenartig, denn wir versuchen seit Jahren, genau diese Gäste zu erreichen. Jetzt sind sie plötzlich da! Viele Gäste kommen übrigens aus der französischen Schweiz. Das macht grosse Freude!


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