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Wie bleibt der alpine Winter-Tourismus wettbewerbsfähig?
Wie kann der Winter-Tourismus in den Alpen im globalen Wettbewerb wettbewerbsfähig bleiben, sodass das Leben und Wirtschaften im ländlichen Raum möglich und lohnenswert bleibt? Die Antwort auf diese Frage gibt eine neue Forschungsstudie.

Als Folge des Forschungsprojektes «Winterreisen in den Alpen» hat ein Team aus Forschern aus fünf Alpenländern aktuelle Zahlen zu diesem Wirtschaftszweig auf der Basis verschiedener statistischer Quellen aufbereitet. Demnach zählen die Alpenländer zusammen (Stand 2015) rund 386 Millionen entgeltliche Übernachtungen von Touristen, das sind 14,4 Prozent der EU-28-Übernachtungen. Weitere 126 Millionen Übernachtungen gehen auf das Konto von Zweit- und Freizeitwohnsitzen. Zusammen gerechnet entfällt nahezu jede fünfte Übernachtung in den EU-28 auf den Alpenraum.

Winter-Tourismus in den Alpen –
ein starker Wirtschaftsfaktor
8,2 Prozent aller Übernachtungen der EU-28 fallen zwischen November und April im Alpenraum an. In den Alpen selbst ist die Wintersaison mit einem Anteil von 43,3 Prozent an den kommerziellen Übernachtungen sehr bedeutend. Gesamt betrachtet verfügen die Alpenstaaten laut BAK Basel über 7,5 Millionen kommerzielle Betten. Nur jedes zweite Bett im Alpenraum ist ein kommerzielles, jedes Sechste ein Hotel-Bett.
Mit aktuell 158 Millionen Skifahrer-Tagen bei 48,2 Millionen aktiven Skifahrern entfällt fast die Hälfte aller weltweit gezählten Skifahrertage (45 %) auf die Alpen: Ein Drittel davon kann allein Österreich für sich verbuchen (51 Millionen Skifahrertage), weitere 30 Prozent (48 Millionen Skifahrertage) gehen auf das Konto von Frankreich. Es folgen Italien (29 Millionen Skifahrertage), die Schweiz (25 Millionen Skifahrer­tage), Deutschland (4 Millionen Skifahrertage) und Slowenien (1 Million Skifahrertage).

Alle grossen Skiresorts in den Alpen
Wie dem «2016 International Report on Snow & Mountain
Tourism» von Laurent Vanat zu entnehmen ist, befinden sich
86 Prozent aller grösseren Skiresorts mit mehr als einer Million Besucher pro Wintersaison in den Alpen; 10 080 Seilbahnen und Lifte finden sich hier, das sind 38 Prozent aller weltweit gezählten Anlagen. Das «MCI Tourismus» in Innsbruck hat darüber hinaus aktuell erhoben, dass die 2174 Skischulen in den Alpen 84 Prozent aller Skischulen weltweit darstellen.

Die drei Herausforderungen
für den Winter-Tourismus
Im Rahmen des «Alps Media Summit» im November 2016 in Innsbruck präsentierten die Forscher des Projektverbunds, Harald Pechlaner, Ralf Roth und Hubert Siller, mit drei sogenannten «zentralen Herausforderungen für Winter-Tourismus 2030» weitere Kernergebnisse und Thesen des Forschungsprojektes «Winter-Tourismus in den Alpen».

1. Wirtschaftsfaktor Schnee
«Schnee-Erlebnisse sind einzigartig und aus diesem Grund nicht zu ersetzen», so der Tourismus-Forscher Hubert Siller vom «MCI Tourismus» in Innsbruck. «Dass die Alpen hier hohe Kompetenz aufweisen, kann aus der enormen Gästezufriedenheit abgeleitet werden.»
Die im Jahr 2014 vom MCI durchgeführte Bergprofil-Studie ergab beispielsweise, dass
62,5 Prozent aller deutschen Gäste mit ihrem Winterurlaub in den Alpen «sehr zufrieden» und zusätzliche 29,7 Pro­zent «zufrieden» sind. Aktuelle Auswertungen der Net Promotor Scores (NPS) in zahlreichen Wintersportregionen bestätigen mit Werten über 50 ( = exzellent) diese hohen Zufriedenheitswerte.
Der «Wirtschaftsfaktor Schnee» ist und bleibt für viele alpine Regionen sowohl wirtschaftliches als auch soziales Rückgrat. Im Speziellen trifft dies auf Tirol, Salzburg, Vorarlberg, Graubünden und das Wallis zu, wo zumindest zwei Drittel der touristischen Wertschöpfung auf den Winter entfallen. Da die durchschnittlichen Winter-Tagesausgaben rund 30 Prozent höher sind als im Sommer, ist der Winter-Tourismus der Treiber für Investitionen von Unternehmen und Destinationen.

Ohne Schnee läuft nichts!
Schnee ist dabei die Grundlage und gleichzeitig ein zentraler Erlebnisfaktor: Aktuelle Marktforschungs-Studien zeigen, dass Bewegung, aktive Erholung in winterlicher Atmosphäre und frische Luft die positivsten Assoziationen der Gäste mit Winterreisen in den Alpen darstellen.
Die grösste Herausforderung für die Weiterentwicklung der «Snow Experience Economy» sieht der Tourismus-Forscher Hubert Siller in der erfolgreichen und nachhaltigen Heranbildung von künftigen Generationen von Wintersport-Enthusiasten, vor allem vor dem Hintergrund sich rasch ändernder Gesellschaftsstrukturen in den wichtigen Herkunftsmärkten.

2. Nachhaltig Reisen
im Zeichen des Klimawandels
In der Fachwelt, das bestätigen die Ergebnisse der Studie, besteht Konsens darüber, dass sich das Klima in den letzten Jahrzehnten auch im Alpenraum wesentlich verändert hat. Anerkannten Szenarien zufolge ist anzunehmen, dass die mittlere Lufttemperatur in den Wintermonaten
im Alpenraum bis 2100 um etwa 2 ° C ansteigen wird.
Aber: «Insbesondere für die nahe Zukunft sind standortbezogene Wintersport-Rahmenbedingungen wie Temperatur, Niederschlag und Schneedeckenandauer nicht vorhersagbar», so der Klimaforscher Ralf Roth. Daher wären gerade bei alpinen Winterreisen eine qualitative Entwicklung mit Augenmass sowie eine zunehmende Risikostreuung über ergänzende Angebote angesagt. Fakt ist auch, dass Investitionen in ein nachhaltiges Energie-, Wasser- und Flächen-
Management wirtschaftlich sind und zu einem Wettbewerbsvorteil im internationalen Tourismus werden können.

Wintergäste kommen vor allem aus Alpenländern
Der überwiegende Teil der Wintergäste kommt aus den Alpenländern selbst (Schweiz 55 Prozent), Italien (65 Prozent) und Frankreich (70 Prozent). Nur Österreich und Andorra generieren mehr Skifahrertage aus dem Ausland. Die Forscher sind sich einig: Eine Substitution von Winterreisen in den Alpen durch Fernreisen, Sun & Beach oder Kreuzfahrten hätte eine deutliche Verschlechterung des touristischen Klima-Fussabdrucks
zur Folge. Und dennoch: Der motorisierte Individualverkehr zählt zu den grossen Herausforderungen des Winter-Tourismus, es braucht daher noch mehr innovative Mobilitäts­lösungen zwischen Smart Cities und Wintersportorten.

Winter-Tourismus
fördert die Gesundheit
Die Forschungsgruppe hat sich im Besonderen auch mit der Frage der sozialen Nachhaltigkeit von Winterreisen befasst: Winterwandern, Skilanglauf, Schlittenfahren, aber auch regelmässiges Skifahren reduzieren nachweislich Faktoren für Volkskrankheiten und fördern somit die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden.

3. Produktverjüngung im Zeichen
des Change Management
Mit dem Klassiker «Skiurlaub in den Bergen» haben die Alpenländer eine Marke gesetzt, die im internationalen Vergleich ihresgleichen sucht. Vor allem technisch wurde in den vergangenen Jahren aufgerüstet, um dem Wintergast ein eindrucksvolles Wintersport-Erlebnis zu bieten. Die Herausforderung für die Zukunft des Winter-Tourismus in den Alpen besteht im Fine-Tuning, in der Erweiterung dieses Produkt-Klassikers sowie in der emotionalen Ausgestaltung.


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